Das Projekt

Fingeralphabet.org ist ein privates Projekt, mit dem ich mir zum Ziel gesetzt habe, die Fingeralphabete sämtlicher Länder dieser Welt nachzuzeichnen und zur Verfügung zu stellen. Für nichtkommerzielle Nutzungen, wie zum Beispiel, für Hilfsprojekte, Bildungseinrichtungen, Kirchen oder privat, soll diese Nutzung komplett kostenfrei sein. Nur diejenigen, die die Illustration einsetzen, um Profit zu erzielen, werden dazu angehalten, das Projekt finanziell zu unterstützen.

Wieso mache ich das?

Sehr häufig bekomme ich die Frage “hast Du nichts Sinnvolleres mit Deiner Zeit vor?” zu hören …

Weder bin ich gehörlos noch kenne ich Betroffene, das ist wahr. Aber bis zu meiner 9. Klasse gab es unweit meiner Schule eine Schule für gehörlose Kinder und natürlich haben wir alle in den Pausen Kontakt gehabt. Nach einer Weile brachten sie uns kleine Papierschnipsel mit Zeichnungen des Fingeralphabets mit, damit wir unsere Namen austauschen konnten, und so ging es damals los.
Nach kürzester Zeit hatten die meisten aus unserer Klasse das Fingeralphabet gelernt und konnten sich so unterhalten. Natürlich war es anfangs etwas mühsam, da alles durchbuchstabiert werden musste, aber wir waren bald recht schnell und … wussten es zu nutzen.

Später, als ich niemanden mehr um mich hatte, der das Fingeralphabet kannte, geriet das alles in Vergessenheit. Erst als ich auf Anregung der Illustratoren Organisation eine Postkarte für die Buchmesse Frankfurt konzipieren sollte, erinnerte ich mich wieder daran. Denn: Gibt es etwas Passenderes, als einer Buchmesse ein Alphabet zu liefern? Und so habe ich mich ins Internet begeben, um die Erinnerung aufzufrischen. Tatsächlich wurde ich fündig, aber die Sachen waren zum Teil von herausragend schlechter Qualität UND widersprüchlich! Natürlich weiß ich heute besser, wo ich schauen kann, und gerade in Deutschland gibt es einige Bemühungen, den Bedarf nach Illustrationen und Erklärungen zu decken. Damals aber war ich extrem schockiert. Solche Dinge müssten im Jahre 2006 einfach weltweit erledigt sein, dachte ich mir. Solche Defizite hätte es nicht mehr geben dürfen.

Meine Postkarte sollte ursprünglich ein harmloser Denkanstoß für Buchmessebesucher sein, nichts weiter, aber nachdem ich beim Landesverband der Gehörlosen Hessen e.V. war, um meine Illustrationen einer kritischen Prüfung zu unterziehen, und die unglaublich positive Resonanz erlebte, wusste ich, dass ich die Zeichnungen denjenigen zur Verfügung stellen wollte, die sie tatsächlich benötigen, aber deren Herstellung sie sich nicht leisten können.

Wenn es in Deutschland schon Bedarf gibt, wie sah es dann in der restlichen Welt aus, fragte ich mich, und nachdem ich international ein wenig recherchiert habe, war mir klar, dass mir da eine große Aufgabe in den Schoß gefallen war. Eine außerordentlich große Aufgabe, wenn man bedenkt, dass es von vielen Ländern praktisch kaum Informationen gibt!

Um die obige Frage nun zu beantworten, ob ich denn nichts Sinnvolleres mit meiner Zeit anzufangen wüsste, muss ich ganz klar sagen: Nein! Was könnte sinnvoller sein, als diesen Beitrag zu leisten?!

Herzlich,
Lassal